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Männer und andere Irrtümer

Komödie von Michèle Bernier & Marie Pascale Osterrieth, Deutsch von Manfred Langner 

      

Szenen einer Ehe mal gar nicht dramatisch, sondern herrlich komisch: Michèle Bernier erzählt in ihrer Komödie „Männer und andere Irrtümer“ die Geschichte einer verlassenen Ehefrau. Mitten in der Midlife-Crisis und nach Jugendlichkeit ringend verlässt der Ehemann die Angetraute und macht sich auf die Suche nach der schönen und jungen Fee – was die Frau in ein Wechselbad der Gefühle stürzt. Und in ein Kopfkino, in dem sie ihr Dasein als Verlassene in Rückblenden noch einmal durchlebt. Die schöne Fee taucht in den Szenen einer Ehe ebenso auf wie die ach so lieben Freundinnen, die türkische Nachbarin und natürlich der betrügende Ehemann.

Das Stück wird ab 14.01.2023 im Erthaltheater Aschaffenburg mit folgender Besetzung aufgeführt.

Mit Simone Seebacher

Regie, Bühne & Kostüme: Jürgen Overhoff

Heulendes Elend, heilsame Wutausbrüche

Komödie: Simone Seebachers Ein-Frau-Show »Männer und andere Irrtümer« im Aschaffenburger Erthaltheater

[…] In der Inszenierung des Aschaffenburger Erthaltheaters, die am Samstagabend Premiere hatte, liefert Simone Seebacher eine fulminante Ein-Frau-Show. Das Premierenpublikum im ausverkauften Haus genießt die von Regisseur Jürgen Overhoff saftig inszenierte Komödie bestens gelaunt und spendet reichlich Beifall. Denn es darf von Herzen gelacht werden über Probleme, die bleischwer und rabenschwarz, aber nicht unlösbar sind. Skurriler Humor als Ventil für die jahrelang aufgestaute Wut einer schnöde verlassenen Ehefrau: Auch die Cartoons von Ensemble-Mitglied Rene Fugger tragen ihren Teil bei zur Entzauberung des Zweiten Frühlings, der den Ehemann auf Abwege gebracht hat.

[…] Simone Seebacher lässt ihr Temperament sprühen. Eineinhalb Stunden lang steht sie unter Hochspannung und schlüpft in immer neue Rollen, vom untreuen Ehemann in die der blonden »Zauberfee«, vom süßen kleinen Söhnchen bis hin zur altersweisen Oma. Am Anfang steht das heulende Elend.

[…] Familie und Freunde kommen zu Wort. Seebacher mimt sie mit unerschöpflicher Energie und krass überzeichnend: den kleinen Bruder, der gern mehr über das »fünfte Bein« von Großvaters Zuchtbullen wissen möchte, die sitzengelassene Cousine Christa und die Oma, die sich auskennt mit dem »Dämon im Mann«. Die Freundinnen haben nur bedingt taugliche Ratschläge auf Lager, und die Ex-Freunde scheiden einer nach dem anderen als potenzielle Liebschaften aus.

Herrlich schräg dargestellt ist am Ende auch der Niedergang der Affäre mit der »Zauberfee« und der Versuch des Ehemanns, sich beide Frauen warmzuhalten. Und weil das Stück eine bitterböse Komödie ist, bleiben alle bis zum Schluss ausgemachte Deppen.

MELANIE POLLINGER/MAIN-ECHO 15.1.2023

Fotografie Mike Lörler

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