Zwei wie Bonnie und Clyde

Kriminalkomödie von Müller, Tom / Misiorny, Sabine

Manni und Chantal alias Bonnie und Clyde träumen vom großen Geld, Heirat in Las Vegas, Rente in Hawai. Dafür muss aber erst mal eine Bank geknackt werden. Ein Kinderspiel!
Zumindest, wenn die Beifahrerin auf der Flucht Straßenkarten lesen könnte und nicht ständig rechts und links verwechselte. Viel schlimmer ist, dass Chantal anstatt der Beute die Einkaufstüte einer Bankkundin mitgenommen hat.
Also muss ein neuer Versuch gestartet werden, doch die Tücke liegt im Detail: sprich – in einem enormen Umweg zur Bank, einer plötzlich geballten Konkurrenz weiterer Bankräuber, blickdichten Strumpfmasken und einem leeren Tank. Trotz umfangreicher Generalproben scheitern auch die nächsten Versuche, ans große Geld zu kommen. Dass schließlich zumindest für Chantal ein Happy End in Sicht ist, verdankt sie natürlich eher dem Zufall als ihrer Intelligenz.
„Zwei wie Bonnie und Clyde“ ist wahrlich eine Tour de Force für die Lachmuskeln, ein groteskes Abenteuer, bei dem ein Gag den nächsten jagt und die Lage für das dilettantische Gaunerpärchen immer verzwickter und verrückter wird. (VerlagsInfo)

Im Aschaffenburger Erthaltheater von folgender Besetzung Umgesetzt:


Chantal: Coco Fuchs

Manni: Justin Glockauer

Regie: Dieter Schaller

Technik: Mila Korkin

Rechte: Vertriebsstelle und Verlag Deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten GmbH

Es ist stockdunkel im Saal des Erthal-Theaters in Aschaffenburg. Das verpeilte Gaunerpärchen Chantal und Manni versucht, sich von hinten so leise wie möglich in das Schuhgeschäft vorne auf der Bühne zu schleichen. Doch bereits bei diesem gelungenen Einstieg in die Kriminalkomödie »Zwei wie Bonnie und Clyde« geht alles schief.

[…] Die Tussi-Ganovenbraut in Leoparden-Leggings, goldener Jacke, rosa Plastikschmuck und gleichfarbigen Adiletten (Lieblingssätze: »Weiß nich!« – wahlweise genervt/traurig/verzweifelt – oder »Das hast du mir nicht gesagt!«) bringt Coco Fuchs mit großer Spielbegeisterung auf die Bühne. Justin Glockauers Blutdruck muss während der Inszenierung auf Höchststand sein, so intensiv pocht seine Halsschlagader.

[…] Bei der Premierenvorstellung am Samstagabend, mit der das Erthal-Theater unter Corona-Bedingungen in die neue Saison startet, hat definitiv das einzige Kind unter 19 zugelassenen Gästen – normalerweise finden 63 Zuschauer im Saal Platz – den meisten Spaß. Das Mädchen kichert, prustet und lacht begeistert und die Erwachsenen werden angesteckt. Deshalb hat der 75-jährige Regisseur Dieter Schaller beschlossen, das Stück für Kinder ab zehn Jahre frei zu geben.

Er applaudiert nach dem Schlussapplaus nicht nur seinen beiden Darstellern, die bei ihren Ausflügen in den Besucherraum (für den nächsten Banküberfall) immer wieder ordnungsgemäß die Mund-Nasen-Bedeckung aufsetzen, sondern sagt auch sichtlich bewegt: »Wenn man in den Theaterraum blickt, blutet einem das Herz. Nur ein knappes Drittel der Plätze ist besetzt.« Doch immerhin ist damit ein Anfang geschaffen, um das traditionelle Theater auch in Corona-Zeiten hoffentlich am Leben zu halten.

Doris Huhn, Main-Echo am 12.10.2020

Mike Lörler

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